Hilfskonvoi »Viva Palästina« erreicht nach mehreren Wochen
Einwohner im Gazastreifen. Internationale Proteste gegen Israel am
16./17. Januar geplant
Karin Leukefeld
Der Hilfskonvoi »Viva Palästina« ist nach vielen
Hindernissen endlich im Gazastreifen angekommen. Was für
westliche Medien eher eine Randnotiz war, der »Bruch der
Blockade gegen den Gazastreifen«, wurde am Mittwoch abend im
arabischen TV-Sender Al-Dschasira zur Spitzenmeldung. Für 59
der 210 Fahrzeuge blieb der Grenzübergang Rafah zwar
geschlossen, doch die Hilfsgüter, die sie transportierten
wurden kurzerhand umgeladen und erreichten um 17.30 Uhr Ortszeit
endlich ihr Ziel. Die Stunden davor waren von Gewalt
gekennzeichnet. Unter den Augen bewaffneter ägyptischer
Grenzsoldaten hatten Hunderte wütende und enttäuschte
Palästinenser auf der palästinensischen Seite der Grenze
gegen die Behinderungen des Konvois seitens der ägyptischen
Regierung und gegen den beabsichtigten Bau einer Mauer auf
ägyptischer Seite protestiert. Als die Demonstranten Steine
auf die Grenzsoldaten warfen, fielen Schüsse auf beiden
Seiten. Polizeiwagen der Hamas vertrieben umgehend die Menge von
der Grenze, ein 21jähriger ägyptischer Grenzsoldat wurde
tödlich getroffen, vermutlich von Kugeln von
palästinensischer Seite. Die Hamas gab die Zahl der verletzten
Palästinenser mit 32 an.
Der britische Unterhausabgeordnete George Galloway, einer der
Hauptorganisatoren des nunmehr dritten Viva-Palästina-Konvois
in den belagerten Gazastreifen, bedauerte im Interview mit
Al-Dschasira erneut, daß Ägypten die Hilfsaktion so
massiv behindert hatte. Am 27. Dezember, dem eigentlich Termin, an
dem seine Gruppe in Gaza sein wollte, hätte die Welt auf
Israel zeigen sollen, das »auf kriminelle Weise in 22 Tagen
Krieg 1400 Menschen getötet hat, die meisten von ihnen Frauen
und Kinder und Zivilisten«. Statt dessen hätte man an
diesem Tag auf Ägypten gezeigt, weil es dem Druck seitens der
USA und Israels nachgegeben und die Grenze bei Rafah geschlossen
gehalten habe, sagte Galloway, der 2003 wegen des Irak-Krieges die
britische Labour-Partei verlassen hat. Und weiter: Solange die
israelische Belagerung nicht beendet sei, seien Hilfskonvois nur
»ein Tropfen im Ozean«. Man habe »der Welt zeigen
wollen, daß es eine Belagerung gibt«. Kritische
Stimmen, warum man nicht versucht habe, den Hilfskonvoi durch
Israel in den Gazastreifen zu bringen, wies Galloway zurück.
»Solange die Palästinenser als Flüchtlinge in alle
vier Himmelsrichtungen verstreut leben müssen, solange
Jerusalem auf brutale Weise ethnisch gesäubert wird und von
Siedlungen umzingelt ist, die das Leben in der Stadt ersticken,
solange Gaza belagert wird und die Palästinenser in Gaza und
in den besetzten Gebieten vor den Augen ihrer Familie bei
Luftangriffen ermordet werden, solange werden wir Israel nicht
anerkennen und keinen Fuß auf israelischen Boden
setzen.«
Galloway sprach sich für die Einheit der Palästinenser
aus und unterstrich, daß nur diese das Recht hätten,
ihre Führung zu bestimmen und nicht der Westen, der die letzte
Wahl im Westjordanland und Gazastreifen nicht anerkannt habe.
»Die Palästinenser können nicht ausgehungert
werden, damit sie sich ergeben«, sagte Galloway, der seit
seiner Jugendzeit ein enger Vertrauter des früheren
PLO-Führers Yassir Arafat war. Wer darauf setze, die
Palästinenser auszuhungern, verrechne sich: »Dieses Volk
wird sich nie ergeben.«
Die Teilnehmer des Konvois zeigten sich erschöpft aber
glücklich, nach ihrer einmonatigen Fahrt endlich die Blockade
durchbrochen zu haben. »Die Leute hier in Gaza haben unsere
Solidarität verdient«, erklärte ein irischer
Teilnehmer dem iranischen Fernsehsender Press TV. »Wir
brauchen eine Massenbewegung im Westen und in der arabischen Welt,
um die Belagerung zu brechen.« Teilnehmer des
Gaza-Freiheitsmarsches rufen für den 16. und 17. Januar
weltweit zu Protestaktionen vor israelischen Botschaften und
Konsulaten auf. Am 17. Januar 2009 beendete ein Waffenstillstand
den Gaza-Krieg, seitdem hat Israel die Blockade gegen Gaza weiter
verschärft. Ziel der Aktionen sei es, international
Solidarität mit den Palästinensern zu zeigen und ein Ende
der Belagerung des Gazastreifens zu fordern, heißt es in
einem Aufruf.
Jw vom 8.1 .2010
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