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Die deutschen Sicherheitsbehörden und einige Medien melden einen Strategiewechsel bei der Bekämpfung »linker Gewalt«.
Die »linksextremistische Gewalt« hat nach
Einschätzung des Hamburger Verfassungsschutzes eine neue
Dimension erreicht, berichtete die Nachrichtenagentur ddp am
Sonnabend. Am Sonntag hieß es unter Berufung auf einen
Bericht des Focus bei derselben Agentur, auf Anweisung von
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sollten
sich die Sicherheitsbehörden »künftig
verstärkt um die linksextremistische Szene«
kümmern. Im Ministerium sei bereits die Rede von einem
»Paradigmenwechsel«. Innenstaatssekretär
Klaus-Dieter Fritsche, von 1996 bis 2005 BfV-Vizepräsident und
danach Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, übergab
demnach einen umfassenden Arbeitsauftrag an das Bundesamt für
Verfassungsschutz (BfV/jW berichtete). Er fordere bis Mitte Januar
einen detaillierten Bericht über linksradikale Gruppierungen
in Deutschland. Der Focus, der seinen Artikel mit dem Titel
»Die neuen Terroristen?« versah, wörtlich:
»Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche will alles wissen:
Vernetzung der Radikalen, Kuriere, gruppendynamische Prozesse,
Finanzierung, Kommunikationssysteme, Taktik bei Krawallen. Und:
Verbindungen in politische Parteien. Da wird’s aber was
geben. Das BfV kennt viele Namen von Gewaltbereiten, die Kontakte
zu etlichen Verbänden der Linkspartei in Westdeutschland
haben.«
Am Montag schließlich meldete sich der
baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) mit
der Behauptung zu Wort: »Tatsächlich ist es so,
daß die Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, gerade in der linken
Szene steigt.« In Berlin ließ sich am selben Tag der
Polizeipräsident der Stadt, Dieter Glietsch, von ddp zitieren,
bei der politisch motivierten Kriminalität von links gebe es
gegenüber dem Vorjahr eine Verdopplung. Die Zahl der
Gewalttaten habe sich – auch durch die politisch motivierten
Brandanschläge– vermutlich verdreifacht. Berlins
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) warnte zwar am selben Tag
davor, mit Blick auf die Serie von Brandanschlägen von einer
»neuen Qualität« zu sprechen, behauptete aber,
daß die linksautonome Szene seit dem G-8-Gipfel in
Heiligendamm 2007 »aktiver und gewaltbereiter« sei.
Körting hatte Anfang des Monats in Anlehnung an ein Zitat des
früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher (1895–1952)
erklärt, die Formulierung »rotlackierte
Faschisten« scheine durchaus »auch auf einen Teil der
Linken zuzutreffen«.
Der Hysterisierung der Linken durch die Sicherheitsämter und
die ihnen angeschlossenen Medien entspricht die gleichzeitige
Verharmlosung neofaschistischer Gewalt. Erst am 17. Dezember hatte
das Bundeskriminalamt mitgeteilt, daß die 2008 erreichte
Rekordzahl von 20000 rechtsextremistisch motivierten Straftaten
auch in diesem Jahr zu erwarten sei. Nach vorläufigen Zahlen
des Bundesinnenministeriums vom Sonntag wurden dabei bis Oktober
576 Menschen verletzt. Die Reaktion der verantwortlichen Politiker
ist adäquat: Der Feind steht links. So bekräftigte Rech
– ebenso wie zuvor der Hamburger Innensenator Christoph
Ahlhaus (CDU) - am Montag seine ablehnende Haltung gegen ein neues
NPD-Verbotsverfahren: »Wir können und dürfen uns
keine neue Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht
leisten.« Der Hamburger Verfassungsschutz erklärte
sogar, die Gewalttaten aus dem rechten Spektrum seien 2009 in der
Hansestadt rückläufig. Erst Mitte November war ein
37jähriger farbiger Portugiese bei einer fremdenfeindlichen
Attacke in der Stadt lebensgefährlich verletzt worden.
Aus Jw vom 28.12.2009
Außerdem Die Entsorgung des Rechtsextremismus
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