Man kann nur hoffen, dass die Vereinigten Staaten sich endlich dafür
entscheiden, was ihr Präsident gesagt hat. Es sollte doch ein Leichtes
sein, den Bad Guys in Honduras die Unterstützung zu entziehen und
Einsatz für die Demokratie zu zeigen, wie das Barack Obama auf dem
Amerika-Gipfel ankündigte.
Bislang aber hat sich die Washingtoner Regierung gegenüber der
Bande halbgebildeter Raubeine in Tegucigalpa, die meinen, der
US-Präsident sei wegen seiner Hautfarbe unter ihrer Würde, unzulänglich
verhalten – um es freundlich auszudrücken. Als der gesetzmäßige
Präsident Manuel Zelaya von dem obskuren Politiker und Geschäftsmann
Roberto Micheletti im Pyjama außer Landes geschickt wurde, wurde das
überall verurteilt. US-Außenministerin Hillary Clinton legte als erste
los und kritisierte die Tat des Betrügers. Dann kam Barack Obama und
sagte, was Clinton nicht gewagt hatte: Dass der echte Präsident wieder
in das Amt eingesetzt werden solle.
Hillary Clintons Verbündete
Nun
jedoch verlautet aus jeder beteiligten Behörde in Washington, Zelaya
sollte die Rückkehr nur gestattet werden, wenn er seine
US-amerikanischen Freunde, die republikanische Partei und die
US-Telekom-Gesellschaften nicht mit staatlichen Gesellschaft Hondutel [*] vor den Kopf stößt. Dies ist aus zwei Gründen lächerlich.
Der
erste ist schlichtweg eine Sache der Rechtmäßigkeit – Zelaya hat bei
sauberen Wahlen eine Sieg errungen. Der zweite hat etwas mit dem Image
des US-Präsidenten in der westlichen Hemisphäre zu tun. Die
zurückliegenden acht Jahre im Nahen Osten und die sich entfaltenden
Debakel im Irak und Afghanistan hätten die US-amerikanischen und
britischen Regierungen lehren sollen, dass sie sich dreckig machen,
wenn sie das Unmögliche versuchen – beispielsweise aus fadenscheinigen
Gründen in Länder einzufallen, diese zu besetzen und dabei auf
Entführungen und Folter zurückzugreifen. Und Dreck macht sich nie gut
auf den Anzügen von Präsidenten oder Premierministern – und noch viel
weniger auf Militäruniformen, Goldlitzen oder Ordensbändern.
Doch
Obama steht einer Gruppe Politiker und Staatsbeamter vor, die zu denken
scheinen, es liege in ihrer Macht, die Lateinamerikaner und die Welt
davon zu überzeugen, dass ein honduranischer Staatsstreich kein
Staatsstreich sei und dass eine Diktatur, die Ausgangssperren verhängt
und die Medien mundtot macht, um den Interessen ausländischer
Geschäftsleute entgegenzukommen, eine demokratische Regierung sei.
Micheletti – ein aufstrebender Pinochet
Die
Staatschefs aller Mitglieder der Organisation der amerikanischen
Staaten haben Micheletti verurteilt, ebenso wie die UN und die EU. Wenn
es aber nach Clinton und den Überlebenden aus den wilderen rechten
Rändern der Bush-Regierung geht, mit denen die Außenministerin auf
bizarre Weise verbündet ist, werden die USA nicht weiter wirksam
reagieren.
Statt der Betrüger-Regierung unter Einsatz all der
Waffen zu begegnen, die die USA gegen verschiedene kubanische
Regierungen und gegen die gewählte Regierung Venezuelas eingesetzt
haben, ist Micheletti gebeten worden, mit Costa Ricas Präsidenten Oscar
Arias mitzuspielen. Der hat ihn als ebenbürtig behandelt statt als den
aufstrebenden Pinochet, der er ist. Das beweisen die Toten und
Verletzen unter den Zelaya-Anhängern, für die Polizei und Armee gesorgt
haben.
Dies wird sich – wie Hillary Clinton besser weiß als jeder
andere – sehr nachteilig für Obama auswirken. Die Behauptungen von Hugo
Chávez und Fidel Castro, unter Obama habe sich seit den Zeiten George
W. Bushs nichts geändert, werden sich als gerechtfertigt erweisen.
Werden Zelaya seine Rechte verwehrt, werden Chávez und Castro umso
stärker, genau wie Brasiliens Präsident Lula. Der Gigant Südamerikas
hat bereits erklärt, nur die Wiedereinsetzung Zelayas sei denkbar.
Verleumdung und Verunglimpfung
Unterdessen
hat Chávez seinen Außenminister Nicolas Maduro geschickt, Zelaya an die
nicaraguanisch-honduranische Grenze zu begleiten, und sich so eindeutig
mit dem Good Guy identifiziert. Die Schüsse, die Zelaya und Maduro an
vorderster Front des Konfliktes abgegeben haben, werden viel dazu
beigetragen haben, der sorgfältigen Verunglimpfungskampagne
entgegenzuwirken, die das State Department gegen Chávez inszeniert hat,
seit es 2002 mit einem eigenen Staatsstreich gegen Venezuelas
Staatschef gescheitert ist.
Je länger das State Department damit
fortfährt, Micheletti gegenüber dem rechtmäßigen Präsidenten Honduras
den Vorzug zu geben, desto mehr Menschen werden sich fragen, warum
Barack Obama Feinde braucht, wenn er Freunde hat wie seine
Außenministerin.
[*]
Anmerkung der Redaktion: Mit der umstrittenen Verfassungsreform wollte
Zelaya nicht nur seine Amtszeit verlängern, sondern auch Kontrolle über
ehemalige Staatsbetriebe, darunter den Telekom-Betreiber
zurückgewinnen. Viele Beobachter sehen darin den eigentlichen Grund für
den Putsch Michelettis.
Aus Freitag vom 31.07.2009