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Vielfalt hat tausende Gesichter, Geschichten, Geschmäcker, Getränke,
Gebräuche, Gesänge und Genüsse. Ein Festival der Sinne und der Vielfalt
bildet den Auftakt von "Planet Diversity" und markiert den Beginn der
in den folgenden drei Wochen stattfindenden Verhandlungen im Rahmen der
Konvention über die Biologische Vielfalt.
Ein kulturelles,
politisches und spirituelles Rahmenprogramm beleuchtet das Thema
Vielfalt von vielen Seiten. Die Bevölkerung von Bonn, Köln und Umgebung
und alle Freundinnen und Freunde aus Europa und der Welt sind herzlich
eingeladen.
Mit Theater, Musik, Tieren, Pflanzen, Saatgut, Aktionen,
Tanz und Musik, Videos, Präsentationen aller Art und Pavillons aller
Kontinente feiern wir die Vielfalt des Lebens. Ein großer Spaß für Groß
und Klein.
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Wofür brauchen wir die Biologische Vielfalt?
...und was hat Biologische Vielfalt mit Ernährungssicherung zu tun?
Biologische Vielfalt steht nicht nur für Wildnis, Regenwald und
Artenvielfalt, sondern auch für Kulturpflanzen-, Sorten- und
Nutztierrassenvielfalt. Sie ist unser "genetisches Kapital": Grundlage
jeder Pflanzenzüchtung und deshalb unverzichtbar für die Welternährung.
Jahrtausende haben Bauern und Bäuerinnen gebraucht, um eine Vielzahl
von Pflanzensorten für die Ernährung der Menschheit zu züchten. Und
innerhalb weniger Jahrzehnte ist dieser globale Reichtum nach
Schätzungen der FAO zu 75 % verloren gegangen. Die alten Landsorten
waren angepasst an lokale Böden und das lokale Klima, boten eine breite
Farben- und Geschmackspalette für eine abwechslungsreiche und gesunde
Ernährung, trugen vor allem aber unzählige Resistenzgene. Bei
auftretenden Krankheiten wurden nicht alle Felder befallen, denn einige
Sorten waren weniger anfällig. Auf diese breite pflanzengenetische
Reserve konnte man bei der Züchtung neuer resistenter Sorten
zurückgreifen.
Wodurch wird die Biologische Vielfalt gefährdet?
Das reiche genetische Angebot ist heute weiterhin vom Aussterben
bedroht: Zahlreiche lokale Sorten gibt es nicht mehr; sie wurden von
wenigen Hochleistungssorten verdrängt und existieren allenfalls noch
vereinzelt in den Privatgärten von Saatguterhaltungsinitiativen oder
Genbanken. Doch auch deren Existenz ist teilweise gefährdet. Und
Laborbedingungen sind mit Freilandbedingungen nicht vergleichbar: nur
im Freiland kann der selektive, evolutionäre Anpassungsprozess
stattfinden.
Dies bedeutet: Bei plötzlich auftretenden Klimaschwankungen, neuen
Krankheitserregern oder Schadinsekten wird die Auswahl resistenter
Sorten immer enger. Die Züchtung einer neuen Sorte kann aber bis zu 15
Jahre dauern. Damit rücken Befürchtungen, dass Grundnahrungsmittel
regional bis länderweise komplett ausfallen könnten, in den Bereich des
Möglichen. Historische Beispiele wie die Hungerkatastrophen des 19.
Jahrhunderts nach dem Auftreten der Kartoffelfäule in Irland oder des
Kastaniensterbens im Mittelmeerraum geben eine Vorstellung von der
möglichen Gefahr. Von solchen Entwicklungen werden insbesondere die
Länder des Südens betroffen sein, die nicht einfach auf andere
Grundnahrungsmittel ausweichen können. Aber auch die Industrieländer
des Nordens sind auf die Vielfalt der Biodiversitätszentren angewiesen:
Denn 80-90% der genetischen Ressourcen, die Basis unserer Ernährung und
Wirtschaft sind, stammen von dort.
Gentechnisch veränderte Kulturpflanzen führen die Logik der
industrialisierten Landwirtschaft mit Hochleistungs- und
Hochinputsorten in ihr Extrem fort - mit allen negativen Konsequenzen:
Anbau sehr weniger Sorten in Monokulturen, weiter gesteigerter Einsatz
von Pestiziden und Düngemitteln, Auslaugung von Böden und Erosion,
Vergiftung des Grundwassers, großflächige uniforme Landbebauung mit
Flurbereinigungen, die andere Nahrungs- oder Futterpflanzen
verdrängen...ganz zu schweigen von zunehmender Abhängigkeit der Bauern
von der Agrarindustrie und Hinweisen auf gesundheitliche
Beeinträchtigungen, aufgrund derer VerbraucherInnen die Gentechnik zu
Recht kritisch hinterfragen.
Gentechnisch veränderte Kulturpflanzen leisten weder einen Beitrag
zur biologischen Vielfalt noch zur Ernährungssicherung - sondern
gefährden beide.
Wodurch wird die biologische Vielfalt noch beeinflusst?
Internationale Abkommen wie das geltende Patentrecht der
Welthandelsorganisation WTO, das internationale Abkommen zum Schutz von
Pflanzensorten oder die Konvention über die biologische Vielfalt der
Vereinten Nationen, die in Form nationaler Gesetzgebungen wie z.B. das
Saatgutgesetz umgesetzt werden, stellen grundlegende Weichen für die
Förderung oder Einschränkung der biologischen Vielfalt. Hier gilt es
scharf zu beobachten, wer bei diesen Abkommen und Gesetzesregelungen
eigentlich profitiert, wer Gewinner und wer Verlierer ist. Verlierer
könnten wir alle sein - nicht nur die Bauern - wenn die Grundlage
unserer Existenz: unsere Nahrung in ihrer Reichhaltigkeit, Qualität und
Kontinuität gefährdet wird.
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